Blut­ersatz aus dem Watt – wie ein Watt­wurm die Medizin revolutioniert

Ebbe am Bilderbuchstrand von Saint-Jean-du-Doigt, nordwestliche Bretagne.

von Dörte Nohrden

Die Haupt­figur: unter­ge­taucht. Statt­dessen nur ihre Spuren, Sand­häuf­chen, aufge­türmt wie braunes Spaghet­tieis. Der Meeres­bio­loge Franck Zal schau­felt mit einer Forke große, schwarze Brocken Sand aus dem Boden. Wie kein anderer kennt er sich aus mit dem Wesen, das er an die Ober­fläche beför­dern will. Dann zieht er etwas aus dem matschigen Klumpen: einen Watt­wurm. Oder auch: Areni­cola marina. Das dralle, 15 Zenti­meter lange Geschöpf windet sich in der Hand­fläche, es schim­mert auffal­lend rötlich.

„Ringel­würmer gab es schon vor 450 Millionen Jahren“, sagt Zal. Der genüg­same Wurm, der dreimal so lang wie dieses Exem­plar und daumen­dick werden kann, lebt in U‑förmigen Wohn­gängen rund 30 Zenti­meter tief im Watt. Durch die Öffnungen versorgt er sich mit Wasser und frisst Sand, genauer gesagt: die Algen und Bakte­rien darin. Hinten muss der Rest notge­drungen wieder raus: Sand­spa­ghetti. Und mit diesem merk­wür­digen Tier will Franck Zal nun also die Medizin revo­lu­tio­nieren. Ein Wurm, der Leben retten kann?