Buhlen, baden und bummeln in Bath

Mit elegantem Schwung schlägt Kenice Fisher ihren cremefarbenen Fächer auf, hält ihn kokettierend vors Gesicht. „Folge mir", gibt die Museumsmitarbeiterin zu verstehen, ohne einen Laut von sich zu geben.

von Dörte Nohrden

„Heute schreiben sich junge Leute Text­nach­richten, damals unter­hielt man sich in der Sprache des Fächers“, erklärt die wasch­echte „Batho­nian“. Damals, damit meint Fisher die geor­gia­ni­sche Ära des 18. Jahr­hun­derts, in der Groß­bri­tan­niens Könige George II. und III. regierten.

Mit Gesten, einem schnellen oder lang­samen Wedeln etwa, gaben die Damen den Gentlemen seiner­zeit zu verstehen, ob sie frei oder vergeben, inter­es­siert waren oder jemand anderen liebten. Hielten die Frauen den Fächer ans linke Ohr, verhieß dies nichts Gutes: Ich möchte dich loswerden. Stri­chen sie ihn aber über die Wange, konnten sich Herren freuen, es bedeu­tete: Ich liebe dich.

Zweimal im Monat arbeitet Kenice Fisher, pensio­nierte Kran­ken­schwester, ehren­amt­lich im Royal Cres­cent No. 1 und führt Besu­cher durch das Museum von Bath.…

Erschienen in
Mann­heimer Morgen

Schlagwörter

Architektur, England, Städtetrip, Unesco,