

Gestrandet im Glück
Eine Kerze flackert in der Mitte der riesigen „Universal Hall".
Findhorns Auditorium ist gut gefüllt. Am Beginn der Gemeinschaftsmeditation mit allen Dorfbewohnern und Gästen ist es mucksmäuschenstill. Heimlich blinzele ich nach links, sehe meine Sitznachbarn mit geschlossenen Augen; sie wirken entspannt und vertieft. Müde von der Anreise, habe ich Sorge, direkt einzuschlafen oder schlimmer noch: ein Geräusch von mir zu geben. Ein Hüsteln etwa, ein Magenknurren, ein Handypiepsen oder gar einen Lachanfall. Und dann passiert es wirklich, glücklicherweise nicht mir: ein Telefon bimmelt, der Klingelton obendrein ein Popsong. Großes Gelächter. Hier leben also auch nur ganz normale Menschen, denke ich und komme endlich zur Ruhe.
Mehrfach hatte ich von Findhorn gehört, jetzt hat mich die Neugier gepackt und ich bin endlich ein paar Tage zu Gast im internationalen Ökodorf. Versteckt im entlegenen Nordosten Schottlands, liegt es rund eine Meile vom gleichnamigen idyllischen Fischerdorf entfernt. Gleich hinter einem breiten Dünen- und Waldgürtel brandet das Meer an einem schier endlosen Strand an.
Vor meiner Ankunft hatte ich Bilder von Dreadlocks und weiten, wehenden Hosen im Kopf; von gealterten Blumenkindern, die im Schneidersitz den New Age Song „Age of Aquarius“ summen, während sie Kräuter in den Tabak mischen. Allein: Ein Dorf voll von Hippies finde ich nicht vor. Vielmehr einen Ort mit weltoffenen Menschen sämtlicher Berufe aus aller Welt: Architekten, Ingenieure, Lehrer. Sie suchen Sinn und Inspiration, Natur und eine Gemeinschaft – und vielleicht immer auch ein bisschen sich selbst.
Viele tausend Menschen haben diesen Ort bereits besucht, seit das Ökodorf 1962 völlig ungeplant entstanden ist…