Gestrandet im Glück

Eine Kerze flackert in der Mitte der riesigen „Universal Hall".

von Dörte Nohrden

Find­horns Audi­to­rium ist gut gefüllt. Am Beginn der Gemein­schafts­me­di­ta­tion mit allen Dorf­be­woh­nern und Gästen ist es mucks­mäus­chen­still. Heim­lich blin­zele ich nach links, sehe meine Sitz­nach­barn mit geschlos­senen Augen; sie wirken entspannt und vertieft. Müde von der Anreise, habe ich Sorge, direkt einzu­schlafen oder schlimmer noch: ein Geräusch von mir zu geben. Ein Hüsteln etwa, ein Magen­knurren, ein Handy­piepsen oder gar einen Lach­an­fall. Und dann passiert es wirk­lich, glück­li­cher­weise nicht mir: ein Telefon bimmelt, der Klin­gelton oben­drein ein Popsong. Großes Gelächter. Hier leben also auch nur ganz normale Menschen, denke ich und komme endlich zur Ruhe.

Mehr­fach hatte ich von Find­horn gehört, jetzt hat mich die Neugier gepackt und ich bin endlich ein paar Tage zu Gast im inter­na­tio­nalen Ökodorf. Versteckt im entle­genen Nord­osten Schott­lands, liegt es rund eine Meile vom gleich­na­migen idyl­li­schen Fischer­dorf entfernt. Gleich hinter einem breiten Dünen- und Wald­gürtel brandet das Meer an einem schier endlosen Strand an.

Vor meiner Ankunft hatte ich Bilder von Dread­locks und weiten, wehenden Hosen im Kopf; von geal­terten Blumen­kin­dern, die im Schnei­der­sitz den New Age Song „Age of Aqua­rius“ summen, während sie Kräuter in den Tabak mischen. Allein: Ein Dorf voll von Hippies finde ich nicht vor. Viel­mehr einen Ort mit welt­of­fenen Menschen sämt­li­cher Berufe aus aller Welt: Archi­tekten, Inge­nieure, Lehrer. Sie suchen Sinn und Inspi­ra­tion, Natur und eine Gemein­schaft – und viel­leicht immer auch ein biss­chen sich selbst.

Viele tausend Menschen haben diesen Ort bereits besucht, seit das Ökodorf 1962 völlig unge­plant entstanden ist…

Erschienen in
Frank­furter Rundschau

Schlagwörter

Natur, Outdoor, Schottland, Umwelt,