

Nordsee: Fünf Winter auf Hallig Gröde
Hier wohnen Einsamkeit und Stille – und seit einigen Jahren auch Annabelle Fürstenau. Doch was verschlägt die junge Frau in die kleinste Gemeinde Deutschlands?
Vor fünf Jahren tauschte die junge Fotografin Annabelle Fürstenau ihr Großstadtleben gegen ein abgeschiedenes Zuhause zwischen Wellen, Watt und Weite. Ihr Leben auf der Nordseehallig Gröde-Appelland gefällt ihr dann am besten, wenn sich kaum noch jemand hierher traut: im nasskalten Winter.
Wie ein riesiges Vogelnest ragt die Silhouette des kleinen Eilands am Horizont aus dem schlammgrauen Meer. Die 36-Jährige winkt uns vom Anleger zu und vergräbt die Hände schnell wieder in den Jackentaschen. Statt Möwengeschrei fegen uns Regen und eiskalter Sturm um die Ohren. Sieben Windstärken werfen Wellen auf, die die MS „SeeAdler“ noch einmal
gewaltig ins Schaukeln bringen. Doch kurz bevor wir endlich anlanden, dreht Kapitän Heini von Holdt wieder ab. Die See peitscht über die Reling,
übers Gepäck, über uns und über Volker Mommsen, den Bürgermeister von Hallig Gröde. Zusammen mit ihm sind wir die einzigen Gäste an Bord, im Sommer sind es manchmal fast 200. Der zweite Anlauf klappt, jetzt muss es schnell gehen.
Drei weitere Nachbarn helfen mit, Kartons, Postund Getränkekisten in einen Hänger zu verladen…