

Citizen Science: Wie aus Bürgern Wissenschaftler werden
Auch ohne Doktortitel können Menschen die Wissenschaft voranbringen. Wer bei Citizen-Science-Projekten mitmacht, kann sich seinen Forschungsbereich aussuchen - und manchmal sogar Wale beobachten.
„Wal voraus!“, tönt es durch den knarzenden Bordlautsprecher. Ein dunkler Rücken erhebt sich aus dem Südpolarmeer, eine meterhohe Fontäne schießt gen Himmel – dann taucht der Buckelwal mit erhobener Schwanzflosse wie in Zeitlupe wieder ab. Kameras klicken und halten den berührenden Moment fest.
„Die schwarz-weiß gemusterte Schwanzflosse mit seinen zerfurchten Rändern und Narben ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck“, erklärt Biologe Ted Cheeseman, der seit mehr als 20 Jahren im Familienunternehmen Expeditionskreuzfahrten in die Antarktis veranstaltet. Der Schnappschuss ist daher auch viel mehr als eine Urlaubserinnerung, denn um die Fingerabdrücke der Wale geht es hier eigentlich. Der 45-jährige Kalifornier, ehemaliges Vorstandsmitglied der Association of Antarctic Tour Operators (IAATO) gründete vor dreieinhalb Jahren die Web-Applikation „Happywhale“.
Mit ihr helfen Touristen weltweit bei der Registrierung und Identifikation von Walen. Cheeseman und rund 35 weitere ehrenamtliche Mitarbeiter können mit den Daten dann etwa Wanderungsbewegungen der Tiere ermitteln, oder feststellen, wie sie Verletzungen überstanden haben. Zwischen den einzelnen Aufnahmen liegen mal drei Tage, mal 40 Jahre. Diese große Zeitspanne machen auch Fotos möglich, die aus Archiven in die Datenbank integriert wurden…